Rasmus SchellingAlma Ghielmi
Organic Biomechanics— Certified Movement
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Was wir tun.

Wir machen biomechanisches Training. Das ist die Antwort, wenn jemand fragt, was wir tun.

Biomechanisches Training heißt für uns: Wir schauen uns an, wie der menschliche Körper gemacht ist, sich zu bewegen, und bringen ihn zurück in genau diese Funktion. Das Ziel ist Funktionalität und Stabilität im Körper.

Jeder Mensch trägt einen Bauplan in seinen Genen. Einen Blueprint dafür, wie er sich bewegen soll und in welchen Alltagspositionen er ruhen kann, ohne sich zu schädigen.

Statik

Alltagspositionen

Stehen, Sitzen, Liegen

Im Bauplan sind die Alltagspositionen Stehen, Sitzen und Liegen angelegt. Jede dieser Positionen hat eigene Anforderungen an die Struktur des Körpers, damit sie ohne langfristigen Schaden eingenommen werden kann.

Dynamik

Alltagsbewegungen

Gehen, Rennen, Werfen

Dazu kommen drei dynamische Muster — die Alltagsbewegungen Gehen, Rennen, Werfen. Das sind keine Erfindungen unserer Methode, sondern Bewegungen, die im menschlichen Bauplan angelegt sind. Ein Kind, das laufen lernt, lernt diese Muster nicht von außen. Es entdeckt sie aus sich heraus.

Mit diesen sechs Mustern arbeiten wir primär. Drei in der Statik, drei in der Dynamik. Die Übungen, die wir entwickeln, sind keine zufälligen Erfindungen. Sie folgen klaren Regeln und leiten sich aus Bewegungen ab, die im Körper schon angelegt sind und nur wiedergefunden werden müssen.

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Was es bewirken kann.

Im Kern bewirkt unsere Arbeit Folgendes: Die Struktur des Körpers verändert sich.

Mit Struktur meinen wir dabei nicht primär, dass mehr Muskelmasse da ist. Wir meinen, dass durch veränderte Funktionen von Faszien und Muskelzügen die Knochenpositionen sich hin zu einer physiologischeren, aufgerichteteren Form entwickeln. Die Haltung verbessert sich, der Körper wirkt anders, weil er anders steht.

Aus dieser strukturellen Veränderung kann eine Kette von Wirkungen folgen. Die unmittelbare Wirkung ist mehr Funktionalität und mehr Stabilität. Beide gehören zusammen und entstehen parallel. Aus dieser Basis — bessere Struktur, mehr Funktionalität, mehr Stabilität — können die spürbaren Veränderungen folgen. Nicht nacheinander, sondern nebeneinander, weil sie aus derselben Quelle kommen.

Bessere Körperstruktur
Mehr FunktionalitätMehr Stabilität
Daraus parallel

Hinter all dem steht ein einfacher Mechanismus: Die Form eines Körpers folgt seiner Funktion. Wie der Körper sich bewegt, bestimmt, welche Form er annimmt. Wie er ausgerichtet ist, bestimmt, was funktioniert. Form und Funktion bedingen sich gegenseitig — darum kann sich aus präziser Bewegung so viel ergeben.

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Was uns auszeichnet.

Drei Aspekte unterscheiden unsere Arbeit von dem, was üblicherweise unter Training oder Therapie verstanden wird. Sie hängen miteinander zusammen, sind aber jeweils eigenständig.

3.1 Bewegung, die einen Sinn hat

Unsere Bewegungen orientieren sich an den Mustern, die der Körper als Bauplan in sich trägt — an den drei Alltagsbewegungen und den drei Alltagspositionen. Jede Bewegung, die wir lehren, lässt sich aus diesem Bauplan ableiten. Das ist der Grund, warum sie einen Sinn hat.

Wir lassen niemanden Bewegungen machen, nur damit irgendeine Bewegung passiert. Bewegung ist für uns kein Selbstzweck. Als Selbstzweck kann Bewegung Dich tiefer in das hineintreiben, aus dem Du durch das Training eigentlich herausfinden willst — Kompensationen, die schon da sind.

Der Satz „Bewegung ist besser als keine Bewegung" stimmt nur unter den richtigen Bedingungen. Wenn ein Körper unphysiologische Muster unter Last bringt, verstärken sich Kompensationen. Der Körper merkt sich, was er tut. Bewegt er sich unphysiologisch und tut er das oft, lernt er, sich degenerativ zu bewegen. Was wirkt und fördernd ist, ist nicht Bewegung an sich, sondern Bewegung in der richtigen Form.

Bewegung steht bei uns deswegen im Dienst von etwas, das größer ist als die Bewegung selbst: strukturelle Korrektur. Das ist der höhere Sinn, an dem sich jede Übung ausrichtet — und aus dem die spürbaren Effekte folgen können, die danach kommen.

3.2 Präzision

Wer Bewegung lernt, schaut sich in den meisten Fällen an, wie eine Übung aussieht, und macht sie nach — mit den Verhältnissen, die der eigene Körper gerade mitbringt. Mit den Kompensationen, die schon da sind. Mit den Mustern, die ohnehin laufen. Das interessiert uns nicht. Genau diese Art von Bewegung verstärkt vorhandene Kompensationen und kann Schmerzen erzeugen, wo vorher keine waren.

Uns interessiert, wie jedes einzelne Teil des Körpers ausgerichtet ist und arbeitet, während die Bewegung passiert. Davon hängt ab, ob die Teile des Körpers harmonisch zusammenarbeiten oder kompensatorisch.

Kompensation bedeutet: Wenn dem Körper eine Funktion fehlt, übernehmen andere Bereiche die Aufgabe, um den Ausfall auszugleichen. Wer zum Beispiel die Hüfte nicht ausreichend strecken kann, wird das Bein trotzdem nach hinten führen können — nur eben, indem der untere Rücken übernimmt und sich überstreckt. Der Körper bleibt funktionsfähig. Allerdings ist der untere Rücken nicht für diese Aufgabe gemacht. Über Jahre entstehen aus solchen Mustern Probleme wie Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenosen, Ischiasbeschwerden.

Was wir mit Präzision tun, ist genau hier ansetzen. Wir verteilen die Aufgaben im Körper wieder so, dass jeder Bereich das tut, wofür er gemacht ist — und kein Bereich für einen anderen einspringt. Knochenpositionen lassen sich auf diese Weise langfristig verändern, die neuromuskuläre Ansteuerung lässt sich neu schreiben.

Verbreitet ist die Annahme, dass Training vor allem intensiv sein muss, damit es Wirkung zeigt. Das stimmt zum Teil, und unser Training ist anspruchsvoll. Aber Intensität allein reicht nicht. Intensität ohne Präzision verstärkt vorhandene Kompensationen und führt schneller in Probleme hinein, statt aus ihnen heraus. Präzision wirkt auch ohne hohe Intensität — langsamer zwar, aber sie kann physiologische Veränderungen hervorrufen, weil das myofasziale System auf Ausrichtung reagiert, nicht nur auf Last. Beides zusammen gibt das stärkste Ergebnis: präzise Intensität.

Deshalb hat in unserem Training jede Bewegung einen Sinn. Sie steht nicht für sich, sondern dient der Integrität des Körpers. Diese Präzision ist das, was wir in unserem Videokurs lehren. Sie ist auch das, was wir in den Live-Sessions korrigieren.

3.3 Der systemische Blick

Wir sehen den Körper nicht als Summe von Einzelteilen. Wenn jemand chronische Schmerzen im Fuß hat, schauen wir uns nicht den Fuß an. Oder nicht nur. Ein Fuß macht chronisch Beschwerden, wenn er nicht mehr im System integriert ist — dann verteilen sich Last und Aufgaben nicht ebenmäßig auf die verschiedenen Elemente im Körper. Dann macht der Fuß zum Beispiel zu viel, mehr als für den Fuß vorgesehen.

Bei dieser ungünstigen Verteilung kommt es auch zu kinetischen Brüchen: Stellen im Körper, an denen die Kraftübertragung zwischen Körperabschnitten nicht mehr funktioniert. Funktionell sind dort Verbindungen unterbrochen. Diese Verbindungen stellen wir wieder her.

Das Ergebnis ist Harmonie im mechanischen Sinn. Wenn alle Teile zusammenarbeiten, hat jeder Teil genau das, was er braucht. Keiner zu viel, keiner zu wenig. Der Körper ist dann nicht ein Kampf von Einzelteilen, die gegeneinander oder zufällig miteinander arbeiten, sondern ein Ganzes.

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Wie wir grundsätzlich denken.

4.1 Wir arbeiten nicht mit Absolutaussagen

Eine Bewegung ist nicht an sich gut oder schlecht. Eine Übung ist nicht an sich gesund oder ungesund. Jede Bewegung kann in einem bestimmten Körper, der in einem bestimmten Zustand ist, eine bestimmte Wirkung haben — günstig oder ungünstig. Das hängt davon ab, wie die Kraftübertragung in diesem Körper gerade läuft und wie viel Stabilität und Mobilität er in diesem Moment mitbringt.

Ein Körper, der stabil und mobil genug ist, kann nahezu jede Alltagsbewegung sicher tragen, auch ungeplante Bewegungen. Wer regelmäßig wandern geht, ohne dass der Körper darauf ausgelegt ist, verschleißt — das ist keine Aussage gegen Wandern, sondern über den Körper. Ein Körper, dem die strukturelle Basis fehlt, kann sich auch beim Aufstehen verletzen.

Damit wird die Frage „Ist diese Bewegung gut oder schlecht?" zur falschen Frage. Die richtige Frage lautet: Was tut diese Bewegung in diesem Körper, in dem Zustand, in dem er gerade ist?

4.2 Funktion vor struktureller Perfektion

Es geht uns nicht um Perfektion, sondern um Funktion. In der Natur gibt es immer leichte Asymmetrien, und das ist kein Mangel. Auch gesunde, leistungsfähige Körper tragen Asymmetrien in sich. Was wir anstreben, ist mehr Symmetrie als vorher — nicht ein perfektes Bild, sondern eine Struktur, die funktioneller, schmerzärmer und leistungsfähiger ist.

Manche strukturellen Gegebenheiten lassen sich nicht oder nur über sehr lange Zeiträume verändern. Eine versteifte Wirbelsäule wird versteift bleiben. Eine operierte Hüfte trägt die Operation in sich. Was sich in solchen Fällen allerdings verändern lässt, sind die Spannungsverhältnisse im myofaszialen System — die Art und Weise, wie der Körper sich um die unveränderliche Struktur herum organisiert. Daraus kann viel entstehen: mehr Bewegungsfreiheit, weniger Schmerz, mehr Energie, auch wenn die strukturelle Grundlage bleibt, wie sie ist.

Wer mit dem arbeitet, was sein Körper hergibt, und in die richtige Richtung arbeitet, wird Veränderungen erfahren. Wer darauf wartet, alle Antworten zu haben, bevor er anfängt, wartet zu lange.

4.3 Generalisierte Ganzheitlichkeit — mit individueller Komponente

Wir sehen den Körper auf zwei Ebenen zugleich generalisiert.

Auf der einen Ebene: Jeder Mensch hat einen Körper, und jeder dieser Körper folgt denselben universellen Gesetzen. Nicht ähnlichen Gesetzen, denselben. Das macht den Menschen, der zu uns kommt, nicht zu einem Sonderfall, sondern zu einem von uns. Was uns vereint, ist das Menschsein. Innerhalb dieses Menschseins gibt es individuelle Komponenten — eine eigene Geschichte, eigene Belastungen, eigene Stärken. Diese decken wir ab. Die Grundlage aber ist universell.

Auf der anderen Ebene: Wir arbeiten nicht symptomatisch, sondern systemisch. Wenn der Fuß ein Problem macht, ist der Fuß nicht das Problem. Generalisiert heißt hier: über die einzelne Stelle hinaus, hinein in das Zusammenspiel des ganzen Körpers.

Beide Bedeutungen meinen wir, wenn wir von generalisierter Ganzheitlichkeit sprechen. Das Wort umfasst beides — die Verbindung der Menschen untereinander durch ihr Menschsein und die Verbindung der Körperteile untereinander durch das System, in dem sie zusammenarbeiten.

4.4 Haltung ist mehr als Körperhaltung

Wie der Körper steht, prägt, wie der Mensch in seinem Körper ist. Wie ein Mensch denkt und fühlt, hat damit zu tun, wie er steht. Wie er steht, hat damit zu tun, wie er denkt und fühlt. Beides bedingt sich gegenseitig.

Haltung meint dabei nicht nur die körperliche Haltung. Sie meint auch die Haltung dem Leben gegenüber — wie ein Mensch sich in seiner Welt aufstellt, wie er Räumen begegnet, wie er Belastung trägt. Wer die körperliche Haltung verändert, verändert auch etwas an der Haltung nach innen und nach außen.

4.5 Das Größere im Kleinen

Ein Fraktal ist eine Struktur, die sich auf verschiedenen Größenebenen nach demselben Prinzip wiederholt. Was im Kleinen funktioniert, funktioniert auch im Großen — und umgekehrt. Eine Schneeflocke ist ein Fraktal: Jeder kleine Zacken hat dieselbe Form wie die Schneeflocke als Ganzes. Ein Baum auch: Der Stamm teilt sich in Äste, die Äste in Zweige, die Zweige in noch kleinere Zweige — immer dasselbe Verzweigungsmuster, nur in anderer Größe. Der Körper ist auf ähnliche Weise gebaut.

Eine Zelle funktioniert, wenn ihre Bestandteile zusammenarbeiten. Der Körper funktioniert, wenn seine Systeme zusammenarbeiten. Eine Familie funktioniert, wenn ihre Mitglieder zusammenarbeiten. Eine Gesellschaft funktioniert, wenn ihre Teile zusammenarbeiten. Dasselbe Prinzip, andere Größe.

Das hat Konsequenzen: Wer am eigenen Körper lernt, wie Teile zusammenarbeiten — wie ein Fuß den Beckenboden braucht, wie die Wirbelsäule den Atem braucht, wie alles auf allem aufbaut — versteht nebenbei etwas darüber, wie Systeme überhaupt funktionieren. Der eigene Körper ist die kleinste verfügbare Übungsfläche für ein Prinzip, das überall gilt.

Wenn auf dieser kleinsten Übungsfläche mehr Harmonie entsteht, bleibt das selten dort. Ein Mensch, der in seinem eigenen System wieder Ordnung kennt, hat eine andere Kapazität für die Systeme um ihn herum — die Familie, die Arbeit, die Beziehungen, in denen er steht. In manchen Fällen kann es sogar das fehlende Puzzlestück sein, das überhaupt erst erlaubt, auf größeren Ebenen Harmonie herzustellen. Es ist selten der Hauptgrund, warum jemand zu uns kommt. Aber es kann passieren.

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Wie wir mit Menschen arbeiten.

Wir sind nicht die Hand, die jemanden hält. Das ist die wichtigste Aussage über unsere Rolle.

Wir geben Werkzeug. Wir zeigen, wie der Körper funktioniert — der eigene und jeder andere. Wir erklären, was zu tun ist und warum. Dann gehen wir einen Schritt zurück und erwarten, dass der Mensch arbeitet.

Der Deal ist klar: Du hörst zu. Du verstehst. Du gibst Dein Wort. Du machst, was Du gesagt hast. Du wiederholst. Dann wird es funktionieren. Diese fünf Schritte fassen zusammen, was wir von einem Kunden erwarten, und gleichzeitig, was wir nicht für ihn übernehmen können.

Diese Haltung ist kein Mangel an Liebe für die Menschen, die zu uns kommen. Sie ist ihre konsequenteste Form. Eine Hand, die hält, baut Abhängigkeit. Werkzeug, das funktioniert, baut Eigenständigkeit. Wir geben das Zweite, weil es das Erste ersetzt.

Bewegung

Bewegung, die einen Sinn hat.

Im Körper

Bewegung wirkt nur in der richtigen Form. Was Du tust, lernt der Körper. Tust Du es schlecht und oft, lernt er, sich schlecht zu bewegen. Bewegung in der richtigen Form ist Bewegung, die einen Sinn hat — sie folgt dem Bauplan, sie verteilt die Aufgaben dahin, wofür sie gemacht sind, sie kann strukturell andere Spuren hinterlassen als zufällige Bewegung.

Gegenbewegung zur Degeneration

Der heutige Alltag arbeitet in die Richtung der Degeneration. Sitzen, Bildschirme, Bewegungsarmut, ein Leben, das mehr konsumiert als schafft. Wir sind die Gegenbewegung — in der Arbeit am einzelnen Körper.

Generationen-Wirkung

Was wir tun, wirkt über die einzelne Person hinaus. Bessere Biomechanik der Eltern führt zu besser ausgestatteten Kindern. Über mehrere Generationen verschiebt sich, was als normal gilt. Wenn ein Mensch wieder einen Körper hat, der trägt, verändert das mehr als ihn selbst — alles, was Du tust, hat eine Wirkung, die weiterläuft: in Dein Umfeld, in Deine Kinder, in deren Kinder. Das bedeutet, Du hast die Macht, das Schicksal Deiner Nachfahren und Deines Umfelds zu beeinflussen. Du bist wichtig. Du hast Macht. Ist Dir das bewusst?